Zoo und Tierpark Berlin -

Der Weg aus den Roten Zahlen ist nur mit guten pädagogischen und modernen Tierhaltungskonzepten möglich

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Primaten-Aqarium - Unstrukturierte Anlagen und fehlende Beschäftigungsmöglichkeiten

Von wenigen Ausnahmen abgesehen sind die Gehege und Anlagen ungeeignet, den Tieren möglichst viel ihres natürlichen Verhaltensrepertoires zu ermöglichen und so den BesucherInnen Einblicke in die Natur der Zootiere zu ermöglichen. Es fehlt an Fläche, Raum, Rückzugsmöglichkeiten und Beschäftigungsangeboten (siehe linkes Foto des Primaten-"Aquariums" im Affenhaus).
Das führt zu Langeweile und krankhaften Verhaltensstereotypien. Solche Tierhaltungen müssen aber nicht nur aus Tierschutzgründen aufgegeben werden. Sie sind auch völlig ungeeignet, Menschen für Tiere und Natur zu begeistern. So gehaltene Tiere verursachen bei vielen Menschen Desinteresse oder Mitleid. Sogar der Petitionsausschuss des Abgeordnetenhauses wurde schon von enttäuschten Tierpark-BesucherInnen angerufen, die das Affenhaus abschreckend empfanden.

- Erzieherische Aspekte und Bildung sind eine Schwachstelle

Informationen zur Bedrohung von Primaten durch Waldrodung in Frankfurt am Main Die zentrale Aufgabe von Zoos ist es, Menschen für die Natur und für Tiere zu interessieren und zu begeistern. Auch, damit sie bereit Habitat-Modell für Erwachsene sind zu lernen, Tiere und Natur zu bewahren und zu schützen (rechtes Foto: Informationen zur Bedrohung von Primaten durch Waldrodung in Frankfurt am Main). Dieses Ziel kann nur mit gut aufbereiteten Informationen in Verbindung mit gutem Tierhaltungsmanagement erreicht werden. Ethische und moralische Werte bleiben auf der Strecke, wenn der Zoochef nicht bereit ist, die Zootiere tiergerecht zu halten und sich um eine verantwortungsvolle Vermittlung der unter seiner Obhut aufgezogenen Tiere zu kümmern. Im Berliner Tierpark fehlen nicht nur kindgerechte Informationen über die Tiere und ihre Lebensräume. Dort wo es Informationen gibt, sind sie gedankenlos und für Kinder unzugänglich angebracht, wie z.B. im Affenhaus (linkes Foto: Habitat-Modell für Erwachsene).
Auch hier gilt der erzieherische Grundsatz: eine positive Wertevermittlung ist nur mit guten Vorbildern möglich.

 

 

Bildungs-, Struktur- und Tierhaltungskonzept für die Zukunft

- Struktur der Tierbestände definieren

Das Zoomanagement muss umgehend ein zoopädagogisches Konzept entwickeln und die Tierarten und die Zahl der Tiere bestimmen, die künftig gezeigt werden sollen. Die Tierbestände müssen sich einerseits an diesem zoopädagogischen Konzept und an den zur Verfügung stehenden finanziellen, tierpflegerischen und räumlichen Ressourcen orientieren. Dies muss mit einem kurz- und mittelfristigen Bestandsentwicklungsplan und einem verantwortungsvollen Tiervermittlungsmanagement einhergehen. Es sollen nur noch Tiere gezüchtet werden, die für dieses Konzept benötigt werden oder direkt an andere Zoos vermittelt werden können.
Es muss ein Konzept zur Umstrukturierung der für Zootierhaltung ungeeigneten Gehege und Anlagen geben, das Schritt für Schritt umgesetzt werden soll. Hierbei ist ein Zeitrahmen von 10 Jahren anzupeilen.
Investitionsplanungen für neue tierpflegerische Anlagen müssen als Bestandteil dieses Bildungs-, Struktur- und Tierhaltungskonzeptes entwickelt werden. Ein von Fachleuten erarbeitetes Kinderdorf-Konzept könnte ein erster Baustein für eine verbesserte Familien- und Kinderfreundlichkeit sein.
Dass das möglich und sinnvoll ist, beweisen Zoos wie Heidelberg, Halle oder Frankfurt am Main. Heidelberg hat die Tierbestände um 50 % gesenkt und verwendet die frei werdenden tierpflegerischen Kapazitäten im Interesse der Tiere und zum Nutzen der BesucherInnen, die ihre Freude an den agilen und gesunden Wildtieren haben.

- Erzieherische Aspekte und Bildung ernst nehmen

Die zentrale Aufgabe von Zoos ist es, Menschen für die Natur und für Tiere zu begeistern. Das kann nicht durch schlechtes Tierhaltungsmanagement erreicht werden. Ethische und moralische Werte bleiben auf der Strecke, wenn das Zoomanagement nicht bereit ist, die Verantwortung für tiergerechte Tierhaltung und die verantwortungsvolle Vermittlung der unter seiner Obhut lebenden und aufgezogenen Tiere zu übernehmen.
Jede Zootierhaltung soll damit verbunden sein, Wissen zu vermitteln und Interesse zu wecken. Dabei kann sich das Tierparkmanagement an den pädagogischen Konzepten und der naturschutzfachlichen interaktiven Wissensvermittlung vieler Zoos orientieren (Foto: Wissensspiel in Rostock [links], Wissenswertes zu Infraschall-Kommunikation von Elefanten in Heidelberg [Mitte und rechts]).

Wissenswertes zu Infraschall-Kommunikation von Elefanten in Heidelberg (links und Mitte), Wissensspiel in Rostock (rechts)

Zuwendungsvertrag an ein tragfähiges Bildungs-, Struktur- und Tierhaltungskonzept knüpfen

Dass der Tierpark keine Maßnahmen ergriffen hat, seinen Teil des Zuwendungsvertrages mit dem Land Berlin zu erfüllen, muss Konsequenzen für den kommenden Zuwendungsvertrag haben. Die Gewährung von Landeszuschüssen muss an ein tragfähiges Bildungs-, Struktur- und Tierhaltungskonzept geknüpft werden. Dazu sind dem Tierparkmanagement Zielmarken für die Tierbestände und Tierhaltungen, Tierzucht und Tiervermittlung zu setzen. Dass Gastronomie und Kinder- und Familienfreundlichkeit ausgebaut werden müssen, ist selbstverständlich (Video: So sieht ein guter Spielplatz in einem Zoologischen Garten aus).

Hierzu haben wir einen Antrag ins Parlament eingebracht:

Der Senat wird aufgefordert, seine Investitionszuschüsse und Zuwendungen an den Berliner Tierpark an ein tragfähiges und nachhaltiges Tierhaltungs- und Strukturkonzept zu knüpfen.

Hierzu ist von der Tierparkleitung

- eine detaillierte Auflistung über alle mittel- und langfristig zu haltenden Tierarten und die Zahl der Individuen vorzulegen;

- ein Plan mit Umstrukturierungsmaßnahmen der bestehenden Tiergehege im Sinne einer Unterbringung vorzulegen, in der die Tiere einen möglichst großen Teil ihres natürlichen Verhaltensrepertoires ausleben können. Dies beinhaltet insbesondere Beschäftigungs- und Rückzugsräume sowie einen uneingeschränkten Zugang zu den Freigehegen.

- zu erklären, dass künftig der Tierschutz eingehalten wird (das bedeutet Verzicht auf Inzucht, Inzestzucht und Züchtigung von Elefanten).

- ein Maßnahmekatalog zur Verbesserung der Besucherfreundlichkeit, insbesondere der Kinder- und Familienfreundlichkeit zu erarbeiten, der u. a. Themen wie das sogenannte Kinderdorf, Beschilderung, Gastronomie und Internetauftritt beinhaltet.

Dem Abgeordnetenhaus ist bis zum 15.2.13 zu berichten.

Antrag: Tierpark-Zuwendungen an tragfähige Struktur- und Haltungskonzepte knüpfen

 

 

 

 

 

 

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